Mein Soziales Engagement im Uniklinikum Düsseldorf Kranke Kinder brauchen Hilfe
Nach langem Überlegen entscheide ich mich, mein soziales Engagement im Uniklinikum zu absolvieren: Ich will Kindern, die behindert, schwer krank sind und Probleme haben, helfen. Auch sie sollen Spaß haben. Nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch darf ich endlich anfangen!
Mein erster Tag ist der 3. August 2009. Um 7.30 Uhr erreiche ich die Kinderstation, Kardiologie und Pneumologie, für Kinder, die Herz- und Lungenprobleme haben. Mich empfängt Frau Meuter, meine Ansprechpartnerin und ausgebildete Erzieherin. Sie hat einen sehr wichtigen Beruf in der Klinik. Kinder, die in dieser Station liegen, sind schwer krank und brauchen mentale Unterstützung. D.h. diese Kinder haben keine Lust mehr - auf gar nichts. Sie antworten nicht, sie haben Schmerzen und nehmen ihre Medikamente. Manche Kinder haben sich schon fast aufgegeben. In dem von Frau Meuter organisiertem Spielraum, kann man Kindern durch Vertrauen, Spiele, Witze, Kreativität und Unterhaltungen Freude am Leben geben.
Der Spielraum ist für Kranke im dem Alter von einem Monat bis zu 20 Jahren. Die meisten Kinder sind zwischen 5 und 13 Jahre alt. Sie sollen lernen trotz ihrer Krankheit Selbstbewusstsein zu entwickeln und Spaß haben zu können, z.B. durch Erfolgsgefühle, Motivation und Geborgenheit. Sie sollen wissen, dass sie mindestens genauso gut sind wie die anderen. Es gibt sehr viele tolle Angebote im Spielraum. Man kann lesen, mit Autos und Puppen spielen, malen, basteln, es gibt Gesellschaftsspiele sowie Lernspiele (zum Beispiel Rechenspiele), einen Kicker und eine Tischtennisplatte. Kinder wählen selbst, was sie spielen, und sollen versuchen, selbstständig zu handeln. Diesen Spielraum gibt es nicht in jeder Klinik. Nach meinen Erfahrungen weiß ich, wie wichtig er ist! Ich finde es toll, dass Frau Meuter sich dafür einsetzt.
Nach einer Hausbesichtigung fangen wir an. Wir räumen Bauklötze in Kisten, zählen Puzzles und wischen die Tische, denn Hygiene ist im Krankenhaus sehr wichtig. Ich helfe wo ich kann. Frau Meuter und ich verstehen uns sehr gut. Fragen beantwortet sie sofort, und sie erzählt mir über die Kinderstation.
Schließlich fange ich an, Tische zu decken. Damit die Kinder nicht so einsam sind, können sie im Spielraum frühstücken.
Ein kleiner schüchterner Junge, Ulash, wird im Rollstuhl herein geschoben. Hinter ihm piepst ein Gerät, das ihn mit Sauerstoff versorgt. Sein Blick ist nach unten gerichtet, so wie seine Mundwinkel. Schon bei dem Anblick will ich ihm unbedingt helfen. Ich stelle mich vor und frage ihn was er essen will. Doch er hat keinen Hunger, schüttelt bei jedem Vorschlag den Kopf und sagt er will zu seiner Mama.
Mir wird bewusst, wie schwer es diese Kinder haben und mir kommen die Tränen. Nur diejenigen, die wirklich helfen wollen, können das Vertrauen zu so verschlossenen Kindern gewinnen. Da ich unbedingt Kontakt aufnehmen und ihnen Leid abnehmen will, verhalte ich mich freundlich und natürlich. Die Kinder scheinen dies zu spüren. Schon bald kann ich alleine auf Patienten aufpassen. Es ist schwer zu unterscheiden, wann Kinder Hilfe brauchen oder wann Kinder Hilfe haben wollen, denn sie sollen gefordert werden. Jedes Kind hat unterschiedliche Ansprüche.Nach ein paar Hinweisen von Frau Meuter entwickle ich ein Gefühl dafür und es entsteht Vertrauen und eine gute Beziehung zwischen den Kindern und mir. Auch Frau Meuter bemerkt dies und lobt mich oft.
Ich weiß, dass Ulash viel trinken soll, also frage ich ihn, ob er einen Strohhalm will und welche Farbe er mag. Er sagt blau. Er will seine Arme nicht bewegen, also nehme ich die Tasse und füttere ihn. Seitdem mache ich das jeden Morgen. Nach ein paar Tagen fängt er an zu reden und nach ein paar Spielen kann man sogar ein Lächeln erkennen. Ich bin stolz.
Jetzt kommen auch andere Kinder. Leonardo, neun Jahre alt, hat einen Autounfall überlebt und kann seine Bewegungen nicht mehr richtig kontrollieren. Er will Tischtennis spielen und versucht, den Ball auf die andere Seite zu spielen, doch immer zuckt seine Hand in die andere Richtung. Ich gebe ihm Mut und lobe ihn, ich hoffe mit aller Kraft, dass er es schafft! Und auf einmal fliegt der Ball auf die andere Seite! Leonardos Mundwinkel gehen immer weiter nach oben, er fängt an zu lachen und (versucht) herumzuspringen, umarmt mich und sagt er will immer mit mir Tischtennis spielen. Wenn ich wollte würde er mir es beibringen. Dieser Moment war überwältigend. Noch nie habe ich so viel Dankbarkeit und Geborgenheit von einer anderen Person gefühlt.
Achun will seine Medikamente nicht einnehmen. Er sagt, sie schmecken eklig. Ich hole schnell meine Eisteeflasche und sage: “In meiner Flasche ist auch ein ekliges Medikament. Auf drei trinken wir zusammen, O.K.?“ Er grinst mich an und trinkt.
Zu schnell ist meine Zeit in der Uniklinik zu Ende (am 14. 8. 2009). Kinder schenken mir Bilder und Schokolade. Frau Meuter bedankt sich ganz herzlich, sie lädt mich ein sie bald zu besuchen. Das Angebot nehme ich glücklich an.
Ich bewundere alle Kinder, die ich kennengelernt habe, da sie gegen ihre Krankheit kämpfen und niemals aufgeben! Sie zeigen einem die andere Seite, ihre Freundlichkeit und Interessen. Ich habe zu allen Kindern Vertrauen aufgebaut und vermisse sie sehr! Ich kann von diesen Erfahrungen nur profitieren. Gesunde Menschen denken nicht daran, wie gut sie es haben, nur weil sie gesund sind. Nur wenige machen sich Gedanken über Kranke und deren Probleme. Wie schwer allein ein Tag für sie ist. Ihre Krankheiten bleiben für immer. Ich fühle mich verpflichtet ihnen zu helfen, wo ich kann, denn sie haben ein schönes Leben verdient!
Düsseldorf, Dezember 2009
Julie Bohner
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