Eine MusikTheaterPerformance

mit Bernd Wiesemann
und Schülerinnen und Schülern der Klasse 5b

Zu einer Uraufführung luden Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b am 26. März 2004, um 11.40 Uhr, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler der 5. – 7. Klassen und Viertklässler der benachbarten Grundschulen in die Aula des Cecilien-Gymnasiums ein.

Vom 15. Januar bis 26. März 2004 war ihr normaler Musikunterricht durch ein MusikTheaterMusik Projekt ersetzt worden, das im Rahmen der vom Rat der Stadt Düsseldorf beschlossenen Bildungsoffensive „KünstlerInnen in Schulen“ durchgeführt wurde. Der Leiter des Projekts Bernd Wiesemann hat sich als Pianist, Komponist, Musikpädagoge und Konzeptkünstler einen Namen gemacht, den Musikliebhaber u.a. mit dem untemperierten Klavier’ – Neue Kompositionen für Kinderklavier – verbinden.

An dem experimentellen Charakter des Projekts ließ Bernd Wiesemann von Anfang an keinen Zweifel. Für ihn ist Musik Geschehen in der Zeit’, das sich mit Instrumenten, der Stimme – gesprochen, gesungen – und dem Körper zu Klangereignissen’ verdichtet. Musik entsteht für den Künstler durch Begegnung der Ausführenden’. Begegnung – akustisch, gestisch, körperlich – hat Auswirkungen, die theatralische Aspekte erzeugen’. So erklärt sich der von Wiesemann geprägte Begriff des MusikTheaterMusik Projekts.
Der Reiz des Projekts für den Künstler wie auch für die Akteure liegt in dem Entstehungsprozess. Klang- und Aktionsteile werden erst in der Endphase zusammen gesetzt und mit einem Bühnenbild und Beleuchtung ergänzt. Entsprechend fühlten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst auf ungewohntem Terrain. Es gab kein festes Drehbuch, kein Thema, keine Handlungs- und Bühnenanweisungen. Ideen wurden entwickelt und wieder verworfen. „Letztendlich“, so schreibt Wiesemann im Programm, „ist eine Gemeinschaftskomposition entstanden, die (...) in Alltägliches Geschehen ihren Niederschlag gefunden hat. Dass ich viele Anstöße der großen Meister der Neuen Musik, John Cage und Mauricio Kagel, in unsere Arbeit aufgenommen habe, möchte ich hier dankend erwähnen“. Und er fügt hinzu: „Ohne die Impulse und die Begeisterung der Mitwirkenden wäre diese MusikTheaterPerformance jedoch nicht entstanden“.

Und dann der Tag der Aufführung: die Aula ist bis auf den letzten Platz besetzt. Auch Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Niederkassler Grundschule und der Grundschule Lörick haben sich als Gäste eingefunden. Siebzehn Akteure im Lampenfieber. Der Regisseur hat sich zurückgezogen, voller Vertrauen in die Selbständigkeit der jungen Künstler und Künstlerinnen.
Umzugkartons und Abfalleimer stellen die Kulisse für die szenischen Auftritte, ergänzt von einem Besenballet. Streit/Aktion wechseln ab mit einer (Nerven-)Zerreißprobe, der Vogelflüsterer mit einer Clownübung, insgesamt gibt es siebzehn Auftritte. Jedes Kind hat seinen eigenen. Das jugendliche Publikum ist interessiert, erstaunt, amüsiert, irritiert, gebannt ... und geizt nicht mit wohlverdientem Applaus.
Wiesemanns Dank an das ‚Fähnlein der siebzehn Aufrechten’ kommt vielfach zurück. Für das Kulturamt der Stadt evaluieren die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b das Projekt. Allen hat es ‚sehr gut’ gefallen. Die Möglichkeit „sich selber Szenen auszudenken und diese zur Aufführung zu bringen“, wurde besonders begrüßt. Die Frage „Soll so ein Projekt noch mal stattfinden?“ wurde einhellig mit „natürlich“ beantwortet.

Mein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Bernd Wiesemann, der sich von den ungastlichen, durch die Bauarbeiten bestimmten Raumverhältnissen nicht hat abschrecken lassen, der mit Geduld und Beharrlichkeit jeden Donnerstag in einer 6. und 7. Stunde die Hürde der Ermüdung oder des Aufgedrehtseins der Fünftklässler genommen hat und sein ‚Fähnlein der siebzehn Aufrechten’ zu kreativem Tun ermuntert, zum Durchhalten angespornt und ihnen das beglückende Gefühl des Erfolgs eigener Leistungen vermittelt hat.
C. Kayser-Hölscher

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Stand: 12.6.2004