Bilingualer Unterricht in den Naturwissenschaften:
erste Gehversuche im Chemieunterricht

Man kann unbestreitbar sagen, dass Englisch die Sprache der Wissenschaft und somit für das Erlernen und Ausüben von vielen Berufen unabdingbar ist.

Am Cecilien-Gymnasium werden seit der Einführung des bilingualen Zweiges im Schuljahr 1990/1991 die Fächer Erdkunde, Politik und Geschichte bilingual unterrichtet. Die Bedeutung der englischen Sprache beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Geisteswissenschaften, insbesondere in den Naturwissenschaften ist sowohl der passive als auch aktive Gebrauch von Englisch als Fachsprache nach der Schule von großem Nutzen.
Das Studium der klassischen Naturwissenschaften, wie Chemie, Physik und Biologie, aber auch Biochemie, Pharmazie und Medizin beinhaltet auch eine intensive Auseinandersetzung mit der englischen Sprache: Vorlesungen und Vorträge werden teilweise auf Englisch gehalten; Fachbücher und insbesondere Aufsätze sind nur auf Englisch erhältlich; in den Arbeitskreisen wird aufgrund von zahlreichen internationalen Studenten hauptsächlich Englisch gesprochen; Poster, Vorträge, Aufsätze und Teile der Doktorarbeit werden oft auf Englisch gehalten oder auf Englisch verfasst. Es ist daher sehr wichtig, dass die Schüler, besonders des bilingualen Zweiges, auch in den Naturwissenschaften darauf vorbereitet werden. Und dieser neuen Herausforderung möchte sich das Cecilien-Gymnasium annehmen und durch Module in unterschiedlichen Klassen den bilingualen naturwissenschaftlichen Unterricht stärken.

Erstmals wurden im Schuljahr 2006/2007 in einer 7. Klasse im 1. Lernjahr Chemie zwei längere Unterrichtseinheiten (insgesamt 31 Stunden) bilingual unterrichtet. Man könnte jetzt denken „Aber Chemie ist doch schon so schwer, und dann auch noch auf Englisch, das kann doch gar nicht klappen“, aber die Erfahrungen im vergangenen Schuljahr haben gezeigt, dass die Schüler viel mehr auf Englisch formulieren können, als sie denken, und dass Schwierigkeiten und Verständnisprobleme nicht sprachlicher Natur waren, sondern oft auf chemische oder mathematische Schwächen, wie z.B. beim Berechnen der Dichte, zurückzuführen waren.
Chemie bilingual unterrichtet zu werden stellt deutlich weniger Probleme dar, als zuerst angenommen, wobei nicht vergessen werden darf, dass immer auf die deutsche Sprache zurückgegriffen werden kann. Viele Wörter haben eine große Ähnlichkeit oder sind teilweise schon bekannt, so dass sie von den Schülern nicht explizit gelernt werden müssen: gas burner/Gasbrenner, sulfur/Schwefel, atom/Atom, hydrophilic/hydrophil, reduction/Reduktion.
Jedoch kommt man auch hier nicht um das Lernen von Vokabeln herum: solubility/Löslichkeit, combustion/Verbrennung.
Interessant ist jedoch auch, dass in der Chemie eine gänzlich neue Sprache erlernt werden muss, die international verständlich und somit weder Deutsch noch Englisch ist – die Formelsprache:

Reaktionsgleichungen sind international verständlich

Die Leistungen der Schüler der 7. Klasse im Schuljahr 2006/2007 haben die Erwartungen in vielen Bereichen übertroffen. Es gab kaum Verständnisprobleme sprachlicher Natur und die Schüler taten sich nach Einüben des neuen Vokabulars mit Formulierungen so leicht, dass manchmal im „normalen“ Chemieunterricht automatisch auf Englisch geantwortet wurde.
Ein großes Augenmerk liegt in der Chemie auf dem Experiment und die präzise Beschreibung der Beobachtungen und die anschließende Auswertung und Erklärung spielen dabei eine große Rolle. Überraschend war hierbei zu beobachten, dass die Schülerbeiträge in der Fremdsprache oft präziser und chemisch richtiger waren, als die Beiträge auf Deutsch. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass den Schülern in der Muttersprache viel mehr Wörter einfallen, die sie verwenden, die aber chemisch nicht korrekt sind. In der Fremdsprache haben sie einen deutlich kleineren Wortschatz und verwenden daher nur die explizit erlernten Begriffe. Daher können die ersten Gehversuche im bilingualen Chemieunterricht sowohl von Lehrer-, als auch von Schülerseite größtenteils positiv und als voller Erfolg gewertet werden.

Hier einige Schülermeinungen zum bilingualen Chemieunterricht:
• „Ich fand es am Anfang ein bisschen schwierig, aber wenn man es etwas länger hat finde ich es gar nicht mehr so schwer. Die Worte sind sich manchmal sehr ähnlich, deswegen kann man es auch ganz gut verstehen.“
• „Ich denke, dass der Unterricht auf Englisch eigentlich gut ist, nur manchmal habe ich Probleme, wenn wir vom englischen in den deutschen Chemieunterricht wechseln, mich in den deutschen Unterricht wieder einzufinden.“
• „Ich finde den Chemieunterricht auf Englisch sehr gut, weil wir neue Vokabeln lernen und es nicht unglaublich schwer ist. Es ist interessant zu wissen, was das alles auf Englisch heißt und da die Formeln eh alle gleich bleiben gibt es keine großen Probleme.“
• „Ich finde, dass es am Anfang des Schuljahres viele Kinder schwer hatten, Chemie gleich auf Englisch zu lernen. Es war das erste Halbjahr, in dem wir Chemie hatten, deshalb denke ich, dass manche Kinder Probleme damit hatten, auf einer anderen Sprache zu schreiben. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt für Chemie nicht nur die Hausaufgaben, sondern auch Vokabeln zu lernen. So wie es jetzt ist finde ich es gut.“
• „Der Chemieunterricht in Englisch ist sehr gut für uns, denn dadurch lernen wir besseres und anspruchsvolleres Englisch. Ich finde es auch gut, dass wir manche Themen in Englisch und manche Themen in Deutsch machen. Dadurch versteht man vieles auch besser. Der Unterricht in Englisch macht mehr Spaß, weil es nicht so langweilig ist.“
• „Es ist schon anders und manchmal auch sehr schwierig Chemie auf Englisch zu haben. Da Englisch nicht unsere Muttersprache ist, müssen wir im Kopf erst einmal alles übersetzten, was der Lehrer uns erzählt. Man braucht auch länger für die Hausaufgaben, weil man Wörter nachschlagen muss, aber der Unterricht ist gut organisiert.“

Sabrina Franz, Fachlehrerin für Englisch und Chemie

 

 

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Stand: 21.08.2007