Klara Kofen erzählt von diesem Aufenthalt in Japan
Als ich am 21. Juni 2009 im Tokyo Prince Hotel ankam, war ich zuerst einmal überrascht von all dem was die International Friendship Association für uns 45 Schüler aus Europa bereitstellte; wir waren in einem der besten Hotels in Tokyo untergebracht, hatten Japanisch-Unterricht in einer Sprachschule und man nahm uns an die interessantesten Plätze in Tokyo und Umgebung mit. Wir sahen die Einkaufsstraßen von Shibuya und Harajuku, das einigermaßen traditionelle, wenn auch sehr touristische Asakusa, diverse Museen und den Tokyo-Tower. In der ersten Woche in Tokyo gab es regelrechte Wettbewerbe unter uns Schülern darum, wer das beste Japanisch sprach, die meisten Kanjis (chinesische Schriftzeichen) schreiben konnte und wer sich mit der japanischen Kultur am besten aus kannte.
Gegen Ende dieser ersten Woche wurde die Gruppe dann zunehmend unruhiger, weil wir wussten, dass uns nun drei Wochen in einer japanischen Gastfamilie bevorstanden. Ich hatte mit 16 bereits einmal an einem Austausch, dem für mich ersten in unserer Schule teilgenommen und hatte dort nicht besonders gute Erfahrungen in meiner Gastfamilie gemacht.
Doch wie sich herausstellte, hatte ich die wahrscheinlich beste Gastfamilie, die man sich wünschen kann. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man in Japan wie ein Kind behandelt wird, wenn man unter 21 ist, dass man kaum ernst genommen, bemuttert und mit „Vorsichtsmaßnahmen“ überhäuft wird. In meiner Gastfamilie hingegen stieß ich auf Vertrauen und, was für mich am wichtigsten war, das Bedürfnis die eigene Kultur zu zeigen und zu teilen und ein Interesse für andere Kulturen.
Mein Gastvater und meine Gastschwester und ich haben unglaublich viel miteinander unternommen und uns vor allem unterhalten, was manchmal wegen des Osaka-Dialekts nicht allzu einfach war, mir aber die Möglichkeit gab mein Schuljapanisch zu verbessern. Japanisch lernt man, mehr noch als andere Sprachen, am besten vor Ort. Gegen Ende hatte ich viel dazu gelernt und konnte auch erfreut feststellen, dass ich meiner Gastschwester, die sehr erwachsen und selbstbewusst für ihr Alter war, geholfen hatte ihr Englisch zu verbessern.
Auf der Schule, die ich besuchte, bekam ich Japanisch-Unterricht bei einer sehr netten und lustigen Koreanerin, mit der ich mich gut verstand. In der Schule habe ich mich, um ehrlich zu sein anfangs häufig gelangweilt, da meine Klassenkameraden und mich kaum etwas verband, über das wir hätten reden können, und ich dem Unterricht nur selten folgen konnte. Glücklicherweise waren auch noch zwei Amerikaner und eine Inderin auf der Schule, so dass ich mich außerhalb des Unterrichts auch auf Englisch unterhalten konnte. Was mir sehr viel Spaß gemacht hat, waren die Chinesisch-Stunden, die ich auf der Schule nahm. Wir Schüler aus dem Ausland wurden gut eingegliedert in den Unterricht, wir halfen wo wir konnten und durften wann immer wir wollten mit den Lehrern sprechen, was mir persönlich sehr geholfen hat, da ich oft mit der Naivität, Kindlichkeit und Ignoranz der japanischen Mädchen überfordert war.
Natürlich wurde ich, wie alle Nicht-Asiaten, in Japan bewundert, aber es waren wohl eher die echten Freundschaften, die ich mit einigen schloss, die für mich auch den Schulalltag interessant machten.
Das wichtigste an meinem Aufenthalt in Osaka war wahrscheinlich mein Gastvater. Neben seiner Tätigkeit im familiären Restaurantbetrieb spielte er Shamisen (eine Art traditionell-japanische Gitarre) und Shakuhachi (Flöte). Er teilte sein Wissen über die japanische traditionelle Kultur gern mit mir, was mich besonders freute, da ich mich dafür schon seit meinem 14 Lebensjahr interessiert hatte. Er zeigte mir die schönsten Seiten Kyotos, der kulturellen Hauptstadt Japans, Nara mit seinen wunderschönen alten Tempeln und unterrichtete mich im Shamisenspiel.
Viel Spaß hatten wir in der Familie, wenn es zum Essen kam; da ich gesagt hatte, ich würde alles essen, wurde mir auch alles vorgesetzt und meine Familie betrachtete mich schmunzelnd, wenn ich mich bemühte Dinge wie Fischaugen, Kuhmagen, rohes Ei oder Unmengen des scharfen Wasabis zu essen.
Für mich war es sehr angenehm, dass man mir zutraute die verschiedenen Stadtzentren Osakas alleine zu besichtigen, so lernte ich die Stadt sehr gut kennen und machte allerlei lustige Erfahrungen mit Einheimischen. Dabei bekam ich von meinen Gasteltern immer Tips, wo ich die besten Kimonosstoffe, Bücher, die interessanteste und ausgefallenste Kleidung, den besten Fisch und die nettesten Cafés finden konnte.
Als die drei Wochen um waren, fiel mir der Abschied sehr schwer. Die letzte Woche verbrachte ich wieder mit den anderen Europäern; wir besichtigten Kamakura und übernachteten eine Nacht in einem traditionellen Ryokan (Hotel) mit angrenzenden Onsen (heiße Quellen). Ich habe in dieser Woche viele Freundschaften schließen können und im Sommer 2010 planen wir uns in Japan wieder zu treffen, wo ich hoffe auch meine Gastfamilie wieder zu treffen.
Alles in allem waren diese fünf Wochen sehr interessant und haben mich, denke ich, in meiner persönlichen Entwicklung weitergebracht. Ich kann es jedem ans Herz, der Interesse an japanischer Kultur hat, sich nicht scheut Anstrengungen auf sich zu nehmen und die Möglichkeit hat sich anpassen zu können sich für dieses Stipendium zu bewerben. Es bringt einen immer weiter in Dialog mit anderen Kulturen zu treten und es macht Spaß neue Lebensarten kennen zu lernen.
Klara Kofen
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