Die Erweiterung der EU – ein Planspiel
Als einer der letzten Punkte unserer Seminarwoche steht ein Planspiel zur Erweiterung der Europäischen Union auf unserem Programm. Dies hat unser Seminarleiter von der Europäischen Akademie NRW, Ulrich Helmke, vorbeitet und mit uns in unserem Hostel durchgeführt.

Ulrich Helmke, Europäische Akademie NRW,
erklärt das Rollenspiel.
Inhaltlich geht es um die Erweiterung um die Länder Türkei, Kroatien und Mazedonien, entsprechend der aktuellen Erweiterungspolitik der EU.
Zu Beginn werden noch einmal die Bedingungen eines Anschlusses an die EU besprochen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die Kopenhagener Kriterien, die unter anderem Demokratie, Stabilität, eine gute Wirtschaftslage sowie ein funktionierendes Rechtssystem vorschreiben.
Doch schon nach wenigen Minuten kann zum eigentlichen Planspiel übergegangen werden. Ziel der Diskussionsrunde ist eine einstimmige Abstimmung über die Aufnahme der besagten Länder, natürlich mit offenem Ergebnis. Um eine möglichst realitätsnahe Verhandlung zu simulieren, werden die Schüler und Schülerinnen in sieben Gruppen eingeteilt, jeweils vier Personen für die Länder Spanien, Polen, Italien, Griechenland, England, Frankreich und Deutschland, hinzu kommen zwei Verhandlungsführer.
Jede Gruppe erhält ein Infodossier, in dem Informationen über die drei Beitrittsanwärter zu finden sind, sowie die Haltung des eigenen Landes. Schnell wurde klar, dass die Interessen der sieben repräsentierten Nationen weit auseinanderklaffen. Zusätzlich sind in den Dossiers Ergebnisvorschläge der Kommission vorhanden, die von sofortiger Aufnahme bis hin zur Ablehnung reichen.
Die Gruppen haben nun etwa 20 bis 30 Minuten Zeit, um ihr Material durchzulesen, ihre Position zu besprechen, einen Sprecher zu wählen und gegebenenfalls Allianzen mit anderen Gruppen zu schmieden.

Die Verhandlung selbst lief bei uns sehr strukturiert und auf einem guten Niveau ab. Nach einer Vorstellungsrunde, in der die Sprecher der Gruppen die Position des jeweiligen Landes erklären konnten, wurde die Diskussion per Wortmeldung weitergeführt. Zuerst wurde über den Beitritt Mazedoniens verhandelt, danach über Kroatien und am Schluss über die Türkei, bei der die Forderungen der Länder am weitesten voneinander abwichen.
Wie bei echten politischen Verhandlungen wurde auch bei uns eine Verhandlungspause eingelegt, in der sich die Gruppen absprechen konnten oder sogar versuchen konnten, andere Gruppen von ihrer Position zu überzeugen.
Direkt danach ging es mit den drei Endabstimmungen weiter. Da es auch nach den Verhandlungen bei sehr unterschiedlichen Ansichten blieb, musste die Verhandlungsführung enorme Kompromisse eingehen, was letztendlich zu einem Aufschub der Aufnahme von Mazedonien und der Türkei führte. Für Kroatien konnte eine Aufnahme errungen werden, jedoch nur mit Hilfe eines sehr faulen Kompromisses.
Der enorme Zeitdruck sowie die erforderliche Einstimmigkeit waren ausschlaggebend für dieses Ergebnis. Das Planspiel war insgesamt dennoch ein ausgesprochen gutes Beispiel für die Arbeitsweise der Europäischen Union und brachte uns die Schwierigkeit, einen sinnvollen Kompromiss zu finden, näher.
Fabian Konkol, Pedram Assadi, Jasper Klauer
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